Biologie/Anatomie |
Schaben
Heute gibt es über 4 000 verschiedene lebende Schabentypen. Die meisten leben in tropischen Gebieten, jedoch wurden viele Arten in jedes Gefilde vom Menschen eingeschleppt. Es sollte erwähnt werden, dass Kakerlaken sehr soziale Tiere sind und nicht gern allein leben. Am besten sollte man sie im Dutzend oder mehr halten. Kakerlaken, die in Gruppen leben, produzieren ein Pheromon, welches eine rapide Entwicklung hervorruft und sie schneller als Einzelgänger wachsen lässt. Die meisten tropischen Schaben werden in Gefangenschaft zwei Jahre alt. Eine Aufzucht kann aber auf unendliche Zeit betrieben werden. Schaben Biologie Wie alle Insekten sind auch die Schaben in drei Körperteile eingeteilt: Der Kopf, die Thorax (Brust) und das Abdomen (Hinterleib). Der Kopf umfasst die Augen, die Antennen und Mundteile. Die Thorax, der Mittelteil, schließt die Flügel und alle Beine mit ein. Das Abdomen schließlich beinhaltet alle lebensnotwendigen inneren Organe wie das Herz, die Fortpflanzungsorgane und die Luftröhre. Jedes der drei Teile besteht aus mehreren Segmenten, die jeweils in einer großen Einheit eingebunden sind. Der Kopf hat sechs zusammengebundene Segmente, die Thorax sechs und der Abdomen besteht aus zehn Teilen. Jedes dieser Segmente wird von einer gebogenen, harten Chitinplatte am Bauch und auf dem Rücken geschützt. Die Kopf- und Thorax-Segmentierung muss nicht immer unbedingt sichtbar sein. Die Rückenplatten nennt man Tergite und die Bauchteller Stergite. In Puppen und heranwachsenden Jungtieren sieht man den segmentierten Abdomen besonders gut; bei älteren und ausgewachsenen Exemplaren sind die Segmentierungen allerdings hinter den langen Flügeln versteckt. Außenskelett Wie alle Gliederfüßler haben Schaben ein hartes Außenskelett, welches sie um umhüllt und schützt. Dieses besteht aus drei verschiedenen Schichten. Die äußerste ist die Kutikula. Alles was am Äußeren sichtbar ist, eingeschlossen die Flügel, Haut, Haare und Beine, besteht alles aus einer ungeteilten Schicht der Kutikula. Die Kutikula ist totes Material, hat also keine Zellen und kann somit auch nicht wachsen. Sie besteht aus zwei Schichten; wobei die äußere viel dünner, aber auch wasserfest ist. Die Kutikula besteht größtenteils aus dem Protein Chitin, welches ein robustes und flexibles Material hergibt und in den physikalischen Eigenschaften dem Plastik ähnelt. Das Chitin ist in verschiedenen zueinander senkrechten Fasern angeordnet, sodass sie wie gekreuzte Schraffuren aussehen und damit die Flexibilität gewährleisten, jedoch die strukturelle Stärke nicht beeinträchtigen. Häutung Wie alle Gliederfüßler müssen die Schaben regelmäßig ihr Außenskelett ablegen, um wachsen zu können. Dabei bricht der Rücken auf und die Kakerlake klettert aus dem Gehäuse. Da sie ihre Schutzhülle verlässt, ist sie natürlich sehr leicht angreifbar für die natürlichen Feinde. Meist sucht sie sich jedoch ein geschütztes Fleckchen und versteckt sich während der Häutung. Das neue Außenskelett ist weich und weiß und kann das Gewicht der Schabe noch nicht tragen. Daher ist das Tier während der Zeit des Aushärtens auf seinen Blutdruck abhängig, ansonsten würde die neue Kutikula zusammenbrechen. Nach ein paar Stunden jedoch trocknet und härtet die neue Kutikula und wird auch damit dunkler in der Farbe. Flügel Die meisten ausgewachsenen Kakerlaken haben zwei Flügelpaare, welche sich üblicherweise gefaltet am Rücken befinden. Das erste Paar ist starr und dunkelfarbig. Darunter liegt das leichte und durchsichtige Paar. Dieses Flügelpaar hat ein Muster aus härteren Adern, die Stabilität verleihen. Alle Flügel bestehen größtenteils aus Chitin. Die Flügel überschneiden sich, wenn sie am Rücken zusammengefaltet liegen; eine Besonderheit, welche die Schaben von den Käfern unterscheidet. Augen Als nachtaktive Tiere haben die Schaben kein gutes Augenlicht. Sie haben, wie die meisten Insekten, Komplexaugen, die jeweils über 2 000 Fassetten und eine individuelle Linse verfügen. Früher glaubte man, dass jede Fassette ihr eigenes, komplettes Image produziert. Heute weiß man aber, dass sie lediglich einen kleinen Teil des ganzes Bildes ausmachen, ähnlich wie die Pixel einer digitalen Kamera. Je mehr Fassetten ein Insekt hat, umso genauer ist das Bild und umso schärfer ist das Augenlicht. Kakerlaken haben nicht so viele Fassetten wie tagaktive Jäger ( Libellen, zum Beispiel, sind als Jäger auf ein gutes Wahrnehmen angewiesen und haben über 28 000 Fassetten pro Auge und folglich eine sehr gute Sicht.) Beine Kakerlaken haben sechs Beine, die alle mit der Thorax verbunden sind.. Jedes Bein besteht aus sechs Segmenten, die in der Reihe vom Körper bis zum Fuß folgenderweise heißen: Coxa, Trochanter, Femur, Tibia, Tarsus und die Krallen. Die Beine sind durch Muskeln im Außenskelett nach innen gebeugt. Es gibt keine Muskeln, die die Beine geradeziehen können. Jedoch benutzt die Kakerlake den Blutdruck, um Flüssigkeiten in das Bein reinzupumpen, um damit die Verbindungspunkte zu öffnen und die Beine zu strecken. Schabenverdauung Das Verdauungssystem einer Kakerlake ist relativ einfach. Der Mund leitet in die Speiseröhre, wo der Speichel mit dem Essen vermischt wird nachdem es geschluckt wurde. Die Speiseröhre fördert die Mahlzeit bis zum Rachen, welcher einen großen Teil in der Speiseröhre einnimmt und zur Aufbewahrung des Essens dient. Diese Anpassung ermöglicht den Kakerlaken viel zu schlucken und sich schnell wieder zu verstecken, bevor irgendwelche Raubtiere sie finden können. In Sicherheit können sie später dann das Gegessene verdauen. Atmung Schaben atmen nicht durch ihren Mund., sondern wie die meisten Insekten durch das Netzwerk der Endotrachealschläuche. Dadurch können sich Sauerstoff im Blut gut verteilen und Abfallgase raustragen. Die Endotrachelschläuche sind durch Luftlöcher mit der Umwelt verbunden. Im Inneren des Körpers werden sie in immer dünnere Äste und Verzweigungen eingeteilt und erreichen damit jedes Gewebe des Körpers und leisten damit eine optimale Sauerstoffzulieferung. Die Atmung läuft nur durch Diffusion ab und nutzt keine Muskelbewegungen. Da die Luft sich nur für eine kurze Zeit ausbreiten kann, gibt es eine starke Eingrenzung im Bezug der maximalen Größe eines Insektes. Wenn sie zu groß wären, könnten einige Körperteile nicht beatmet werden und würden damit kläglich verkümmern. Gehirn Insekten haben kein zentrales Gehirn, das den ganzen Körper kontrollieren kann. Dafür werden die meisten Funktionen von Nervknoten, den Ganglien, durchgeführt. Die Kakerlake hat sechs solche Ganglien in ihrem Kopf. Drei davon sind im Vorderkopf zusammen gruppiert, die das „Gehirn“ bilden. Die drei anderen befinden sich im Hinterkopf als sogenannte Unterschlundganglien. Diese kontrollieren die Antennen und Mundteile. Zusätzlich gibt es drei weitere Ganglien in der Thorax und acht weitere in dem Abdomen, welche weitere Körperteile wie Beine und Flügel überwachen. Herz Das Herz besteht aus einem langen, hohlen Rohr, welches am hintersten Ende versiegelt ist und oben an der Bauchhöhle verläuft. Wie alle Insekten haben auch Schaben ein offenes Kreislaufsystem. Das Blut ist nicht in Venen und Arterien begrenzt, sondern fließt frei durch den Körper und umgibt alle inneren Organe. Wenn das Herz kontrahiert, saust das Blut von einem Ende zum Anderen und transportiert Nährstoffe zu den Körperzellen; Abfallprodukte werden weggetragen und dann bei den Malphigischen Gefäßen gesammelt. Das Blut betritt das Herz durch kleine Eingangslöcher an jeder Seite. Evolutionsgeschichte der Schabe Schaben sind extrem alt und sehr erfolgreiche Insekten in der Geschichte. Sie waren eine der ersten Landinsekten und tauchten das erste Mal im Karbonzeitalter vor 280 Millionen Jahren auf. Es war warm, feucht und humid und das Land war überdeckt von einem großen Überfluss an Pflanzen. Das waren natürlich die perfekten Bedingungen für die Tierchen. Zahlenmäßig waren sie anderen Insekten weit überlegen; einige Paläontologen kamen sogar zu dem Entschluss, dass das Karbon „das Zeitalter der Schaben“ gewesen sein musste. Seit dieser Zeit haben sie sich kaum geändert; ein 260 Millionen altes Fossil der Art Mylacris ist kaum mit den heutigen Lebewesen zu unterscheiden. Einige der gefundenen Schaben aus dem Pennsylvanischen Zeitalter ( die letztere Hälfte des Karbons) waren über 15cm lang, die Flügel der damaligen Schaben waren im Verhältnis viel größer als die modernen Arten. Die ersten Pensylvanischen Schaben hatten auch nicht das erste Paar Flügel zum Schutz ausgehärtet und versteift, sondern beide Flügelpaare zum Fliegen. Die Fauchschabe hat keine Flügel und kann somit auch nicht mehr fliegen. Manche Schaben, wie die Amerikanische Schabe oder die Totenkopfschabe, haben zwar noch voll funktionierende Flügel, fliegen jedoch nur noch sehr ungeschickt über kurze Distanzen. Es kann durchaus passieren, dass bei anschreitender Evolution die Schaben ihre Flugmöglichkeit völlig verlieren und nur noch von ihrer Rennfähigkeit gegen Feinde Nutzen ziehen können. Schaben sind zu etlichen Insektengruppen verwandt. Es wird geglaubt, dass die Termiten von ihnen abstammen und sich vor 70 Millionen Jahren getrennt weiterentwickelten. Manche der holzessenden Schaben, wie die Cryptocercus punctualus, haben Mikroorganismen in ihren Innereien, die Zellulose des Holzes in körpereigenen Zucker verarbeiten und damit die Verdauung ermöglichen. Diese Regelung findet man auch in Termiten. Viele der Mikroorganismen ähneln sogar aneinander und weisen darauf hin, dass beide Insektenarten evolutionär miteinander in einer Beziehung stehen. Verfasser / Quelle: Geocities / Übersetzung: Maria Pozder |